Perimenopause – als ich merkte, dass ich längst mittendrin war
Bewegung, die guttut – in einer Zeit, die vieles von uns fordert. Meine ersten Tipps und Gedanken zum Thema Perimenopause.

Was ist die Perimenopause eigentlich?
Lange dachte ich bei den Wechseljahren vor allem an Hitzewallungen, Schweissausbrüche und eine Periode, die irgendwann unregelmässig wird und schliesslich ganz ausbleibt. Dass der Übergang auch ganz anders beginnen kann – leiser, verwirrender und vor allem psychischer –, wusste ich nicht.
Die Perimenopause ist die Übergangszeit vor der Menopause. In diesen Jahren beginnen sich die Hormone zu verändern und teilweise stark zu schwanken. Die Eierstöcke produzieren nach und nach weniger Östrogen, aber nicht schön gleichmässig und vorhersehbar. Genau dieses Auf und Ab kann sich sehr unterschiedlich bemerkbar machen.
Mögliche Anzeichen sind Veränderungen der Monatsblutung, Hitzewallungen, Schlafprobleme, innere Unruhe, Stimmungsschwankungen, Ängstlichkeit, depressive Verstimmungen, Erschöpfung, Konzentrationsprobleme oder der berühmte «Brain Fog». Nicht jede Frau erlebt alles. Und nicht bei jeder Frau sind Hitzewallungen das erste oder auffälligste Symptom.
Die Menopause selbst lässt sich normalerweise erst rückblickend benennen: wenn zwölf Monate lang keine natürliche Monatsblutung mehr aufgetreten ist. Die Jahre davor sind die Perimenopause – und genau in dieser Phase war ich offenbar bereits, ohne es zu wissen.
Mein Körper hatte mir den deutlichsten Hinweis genommen
Seit 2022 hatte ich eine Hormonspirale, die mir auch im Hinblick auf den bevorstehenden Übergang empfohlen worden war. Mit der Spirale blieb meine Monatsblutung vollständig aus. Damals empfand ich das ehrlich gesagt als angenehm. Keine Periode, keine Beschwerden, kein monatliches Organisieren – wunderbar praktisch.
Nur hatte die Sache einen Haken, den ich erst viel später verstand: Ich konnte nicht beobachten, ob meine Blutung unregelmässiger, schwächer oder seltener wurde. Ausgerechnet eines der bekanntesten Zeichen der Perimenopause war für mich unsichtbar.
So bemerkte ich nicht, was sich hormonell möglicherweise längst veränderte.
Ich spürte vor allem die Psyche
Was ich spürte, waren nicht die typischen Hitzewallungen, auf die ich innerlich gewartet hätte. Bei mir zeigte sich vieles zuerst auf der psychischen Ebene.
Ich erlebte starke Stimmungsschwankungen, plötzliche depressive Tiefs, Hoffnungslosigkeit, Grübeln, innere Unruhe und Schlafprobleme. Ich war schneller gereizt, rascher überfordert und hatte zeitweise das Gefühl, mich selbst nicht mehr richtig wiederzuerkennen. Dann gab es wiederum Tage, an denen ich voller Energie, Ideen und Motivation war und das Gefühl hatte, alles schaffen zu können.
Natürlich suchte ich nach Erklärungen. War es mein ADHS? Eine Erschöpfungsdepression? Die hohe berufliche und familiäre Belastung? Eine andere psychische Erkrankung? Oder lag es an Medikamenten? Für all diese Fragen gab es gute Gründe. Nur an die Perimenopause dachte ich zunächst kaum.
Denn in meinem Kopf bedeuteten Wechseljahre noch immer: unregelmässige Blutungen und Hitzewallungen. Beides konnte ich bei mir nicht eindeutig erkennen.
Erst nach und nach setzte sich das Puzzle zusammen
Im Juni 2026 liess ich die Spirale entfernen. Einen Tag später begann eine Blutung, die ungefähr vier bis fünf Tage dauerte. Danach kam keine weitere Monatsblutung mehr.
Langsam begann ich mich zu fragen: Was, wenn ich nicht erst am Anfang stehe? Was, wenn ich schon längst mittendrin bin?
Später zeigte sich bei einer Untersuchung ein sehr tiefer Estradiolwert (= Östrogenwert). Ein einzelner Hormonwert erzählt während der Perimenopause zwar nicht immer die ganze Geschichte, weil die Werte stark schwanken können. Für mich war er trotzdem ein weiteres Puzzleteil. Plötzlich ergaben manche Beschwerden und Veränderungen mehr Sinn.
Nicht im Sinne von: Jetzt sind an allem nur die Hormone schuld. So einfach ist es nicht. Bei mir spielen ADHS, Erschöpfung, Belastungen und psychische Gesundheit ebenfalls eine Rolle. Aber ich begann zu verstehen, dass hormonelle Veränderungen diesen ganzen Zustand mitbeeinflussen oder verstärken können.
Diese Erkenntnis war gleichzeitig erleichternd und ernüchternd.
Erleichternd, weil ich endlich eine mögliche Erklärung dafür hatte, warum ich mich zeitweise so fremd in mir selbst fühlte. Ernüchternd, weil ich mich fragte, weshalb ich so wenig darüber wusste – obwohl ich selbst Pflegefachfrau bin und seit vielen Jahren im Gesundheitsbereich arbeite.
Perimenopause ist mehr als ein paar Hitzewallungen
Heute weiss ich: Die Perimenopause kann sich im ganzen Leben bemerkbar machen. Im Schlaf. In der Stimmung. In der Konzentration. In der Belastbarkeit. Im Körpergefühl. In Beziehungen und manchmal sogar in der Frage: Wer bin ich eigentlich gerade?
Gerade psychische Symptome werden schnell nur Stress, Überforderung oder einer bestehenden Diagnose zugeschrieben. Das kann durchaus ein Teil der Wahrheit sein. Aber manchmal liegt darunter noch eine weitere Ebene, die mitgedacht werden sollte.
Ich hätte mir gewünscht, früher zu wissen, dass die Perimenopause nicht erst beginnt, wenn die Periode ausbleibt oder die erste Hitzewallung kommt. Und dass eine Hormonspirale Blutungsveränderungen verdecken kann, während die hormonelle Umstellung im Hintergrund trotzdem ihren eigenen Weg geht.
Warum ich darüber schreibe
Ich teile meine Geschichte nicht, weil sie für jede Frau genauso verlaufen muss. Im Gegenteil: Dieser Übergang ist sehr individuell. Ich schreibe darüber, weil vielleicht eine andere Frau diese Zeilen liest und sich selbst darin erkennt.
Vielleicht fühlst du dich seit einiger Zeit verändert. Vielleicht schläfst du schlecht, bist dünnhäutiger, erschöpfter oder emotionaler als früher. Vielleicht funktioniert dein Kopf nicht mehr so zuverlässig, wie du es von dir kennst. Und vielleicht fragst du dich ebenfalls, ob du einfach nicht mehr belastbar genug bist.
Dann sollst du wissen: Du bildest dir das nicht ein. Und du musst nicht warten, bis alle «klassischen» Symptome vorhanden sind, bevor du das Thema bei deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt ansprichst.
Für mich war die Erkenntnis kein fertiges Ergebnis, sondern der Anfang eines neuen Verstehens. Ich lerne gerade, meinen Körper wieder genauer wahrzunehmen, Zusammenhänge zu erkennen und mir Hilfe zu holen, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.
Ich war nicht plötzlich ein anderer Mensch geworden.
Ich war in einer Übergangsphase, von der ich lange nicht wusste, dass sie bereits begonnen hatte.
Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft: Die Perimenopause beginnt nicht immer mit einem lauten Signal. Manchmal schleicht sie sich leise ins Leben – und man versteht erst mittendrin, was eigentlich gerade passiert.
Hinweis: Dies ist meine persönliche Erfahrung und kein medizinischer Ratgeber. Beschwerden können unterschiedliche Ursachen haben. Bei starken, neuen oder anhaltenden körperlichen oder psychischen Veränderungen ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Quellen zur medizinischen Einordnung
- NHS: Symptoms of menopause and perimenopause
- ACOG: Perimenopausal Bleeding and Bleeding After Menopause
- Bayer: Informationen zu möglichen Blutungsveränderungen unter Kyleena